Video: Gabor Maté – Master your Energy

Timestamps with Emojis (take from the video):

00:00 – 🔥 Introduction – Why energy mastery matters
02:45 – 🧠 Rule #1: Guard your mental space fiercely
07:30 – ⚡ Rule #2: Energy leaks that destroy your focus
12:55 – 🛡️ Rule #3: Cutting toxic ties and influences
18:40 – 🌱 Rule #4: The power of self-compassion
25:20 – 🎯 Rule #5: Building unshakable mental resilience
33:15 – 🔍 Rule #6: Awareness as your strongest shield
42:40 – 🏆 Rule #7: Becoming mentally untouchable
50:00 – 🚀 Final thoughts & takeaways

EMDR – Heilung durch Augenbewegungen?

Manchmal tragen wir etwas in uns, das wir nicht mehr loslassen können. Ein Bild, ein Geräusch, ein Moment – und plötzlich ist die Vergangenheit wieder da, so als wäre sie nie vergangen. Für Menschen, die ein Trauma erlebt haben, kann dieses „Gefangensein in der Erinnerung“ zum täglichen Begleiter werden.

EMDR – die Abkürzung für Eye Movement Desensitization and Reprocessing – ist eine Methode, die genau hier ansetzt. Auf Deutsch bedeutet das etwa: Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen. Klingt technisch, ist aber in Wahrheit eine sehr menschliche Form der Hilfe.


Wie funktioniert EMDR?

Während einer EMDR-Sitzung erinnert sich die betroffene Person bewusst an ihr Trauma. Gleichzeitig folgt sie mit den Augen den Handbewegungen der Therapeutin oder des Therapeuten – von links nach rechts, hin und her. Diese rhythmischen Bewegungen können auch durch Töne oder leichte Berührungen ersetzt werden.

Was dabei passiert? Das Gehirn scheint unterstützt zu werden, die eingefrorenen, nicht verarbeiteten Erinnerungen neu zu sortieren. Sie werden in einen Kontext gebracht, in dem sie weniger verletzend wirken. Die Erinnerung bleibt, doch die Schärfe und das quälende Gefühl lassen nach.


Wofür wird EMDR eingesetzt?

Die Methode wurde ursprünglich für die Behandlung von Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) entwickelt. Heute wird sie auch bei:

  • komplexen Traumata
  • Ängsten und Phobien
  • Depressionen
  • und teilweise sogar chronischen Schmerzen

eingesetzt.


Warum ist EMDR besonders?

Viele Betroffene beschreiben, dass EMDR ihnen hilft, die Last der Vergangenheit hinter sich zu lassen. Das Trauma gehört nicht mehr zum „Hier und Jetzt“, sondern endlich zur Vergangenheit. Es verliert seine Macht.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und zahlreiche Fachgesellschaften erkennen EMDR als wirksame Methode an. In Studien zeigte sich: Die Behandlung wirkt oft ebenso gut wie klassische traumafokussierte Psychotherapien – manchmal sogar schneller.


Ein kleiner Gedanke zum Schluss

Trauma bedeutet: Ein Teil von uns ist in der Vergangenheit stecken geblieben. EMDR ist wie eine Brücke, die diesen Teil sanft zurück ins Heute holt. So entsteht wieder Raum für Freiheit, Ruhe und ein Leben, das nach vorne schauen darf.


Literatur-Empfehlungen

Wer tiefer eintauchen möchte, findet hier ein paar gute Einstiegswerke:

  • Francine Shapiro: „EMDR – Grundlagen und Praxis“ (die Begründerin der Methode erklärt sie selbst)
  • Michael Hase: „Praxisbuch EMDR – Grundlagen, Indikationen, Fallbeispiele“
  • Arne Hofmann: „EMDR in der Therapie psychischer Traumafolgestörungen“

👉 Diese Bücher geben einen fundierten Überblick und zeigen sowohl die wissenschaftliche Basis als auch Praxisbeispiele.

Sucht verstehen – mit den Augen von Gábor Maté

Wenn wir das Wort Sucht hören, denken viele zuerst an Drogen, Alkohol oder Glücksspiel. Doch Gábor Maté lädt uns ein, das Thema größer zu denken. Für ihn bedeutet Sucht:

Jedes Verhalten, das kurzfristig
Entlastung, Freude oder Betäubung bringt
– dem Betroffenen aber langfristig schadet
und das er trotzdem nicht aufhören kann.

Diese Definition rückt uns alle näher an das Thema heran. Denn wer kennt es nicht, sich in Arbeit zu flüchten, in den Bildschirm, in Süßigkeiten oder in das ständige Bedürfnis nach Anerkennung? Fast jeder von uns erfüllt irgendwann einmal diese Kriterien.

Statt moralisch zu urteilen, geht es also darum, zu verstehen: Warum greifen wir zu diesen Mustern? Was will in uns eigentlich geheilt werden?
Hier zehn Einsichten von Gábor Maté, die einen neuen Blick auf Sucht und Heilung eröffnen.


1. Sucht ist keine freie Entscheidung, sondern eine Antwort

Viele Menschen glauben, Süchtige seien „willensschwach“. Maté widerspricht: Niemand setzt sich bewusst das Ziel, abhängig zu werden. Sucht entsteht als Antwort auf innere Not. Sie ist der Versuch, ein Leben erträglich zu machen, das sich unerträglich anfühlt. Hinter jeder Abhängigkeit steckt ein Mechanismus, der kurzfristig Linderung verschafft – so zerstörerisch die Folgen auch sind.
(Quelle: „In the Realm of Hungry Ghosts“, Kap. 1)


2. Die wahre Frage lautet: „Warum der Schmerz?“

Anstatt sich nur auf die Droge oder das Verhalten zu konzentrieren, stellt Maté die entscheidende Frage: „Nicht: Warum die Sucht? Sondern: Warum der Schmerz?“ Damit lenkt er den Blick auf den Ursprung: den inneren Schmerz, der den Menschen antreibt, nach Betäubung zu suchen. Erst wenn wir diesen Schmerz anerkennen, können wir beginnen zu heilen.
(Interview in Democracy Now!, 2012)


3. Trauma ist der Nährboden jeder Sucht

In seiner Arbeit mit schwer Abhängigen im Viertel Downtown Eastside in Vancouver entdeckte Maté ein Muster: Fast alle hatten traumatische Kindheitserfahrungen. Missbrauch, Vernachlässigung oder emotionale Abwesenheit prägten ihre Biografie. Diese Erfahrungen beeinflussen die Gehirnentwicklung und lassen ein tiefes Loch entstehen, das später mit Substanzen oder Verhalten gefüllt werden soll.
(„In the Realm of Hungry Ghosts“, Kap. 20–21)


4. Sucht ist vielfältig und betrifft uns alle

Nicht nur Alkohol oder Heroin können süchtig machen. Auch Arbeit, Sport, Shopping, Social Media, Pornografie oder Essen können in denselben Kreislauf führen: kurzfristige Erleichterung, langfristige Abhängigkeit. Wenn man Sucht so definiert, erkennt man: sie ist kein Randproblem der Gesellschaft, sondern eine menschliche Erfahrung, die fast jeden berührt.
(Vortrag „The Power of Addiction, The Addiction of Power“, 2012)


5. Mitgefühl ist der Anfang von Heilung

Stigmatisierung macht alles schlimmer. Wer Abhängige beschämt oder moralisch verurteilt, verstärkt nur den Schmerz, der sie überhaupt erst in die Sucht getrieben hat. Maté plädiert dafür, mit Mitgefühl zu begegnen – nicht, um das Verhalten schönzureden, sondern um die Wunde zu sehen, die dahinter liegt. Heilung kann nur dort geschehen, wo Menschen sich sicher fühlen und angenommen werden.
(„In the Realm of Hungry Ghosts“, Kap. 33)


6. Das Gehirn verändert sich durch Trauma und Stress

Sucht ist nicht bloß ein „Charakterfehler“. Frühe Traumata und dauerhafter Stress hinterlassen Spuren im Gehirn. Die Areale, die für Belohnung, Motivation und Impulskontrolle zuständig sind, entwickeln sich unter widrigen Umständen anders. Wer süchtig ist, kämpft also nicht nur mit Gewohnheiten, sondern mit messbaren biologischen Veränderungen.
(„When the Body Says No“, Kap. 5)


7. Sucht ist ein fehlgeleiteter Überlebensmechanismus

So zerstörerisch Abhängigkeit auch wirkt: Sie ist zunächst ein Versuch des Menschen, am Leben zu bleiben. Die Substanz oder das Verhalten bringt für einen Moment das Gefühl von Ruhe, Freude oder Kontrolle zurück. In diesem Sinne ist Sucht eine missverstandene Form der Selbstfürsorge – die langfristig alles nur schlimmer macht.
(„In the Realm of Hungry Ghosts“, Kap. 2)


8. Verbindung ist stärker als Isolation

Viele Betroffene leben in Scham und Einsamkeit. Doch Heilung beginnt in Beziehungen – dort, wo sie erfahren: „Ich darf ehrlich sein. Ich darf verletzlich sein. Ich werde nicht verstoßen.“ Für Maté ist die echte menschliche Verbindung das wichtigste Heilmittel gegen Sucht. Sie löst nach und nach den Drang, Leere durch Substanzen oder Verhalten zu füllen.
(„The Myth of Normal“, Kap. 22)


9. Heilung durch Achtsamkeit und Selbstmitgefühl

Zu Matés Methoden gehören Meditation, Atemarbeit und eine Haltung der radikalen Ehrlichkeit. In seinen Seminaren führt er Menschen behutsam in Kontakt mit dem verletzten inneren Kind. Nicht um es zu verdrängen, sondern um es mit Mitgefühl zu halten. Achtsamkeit bedeutet hier nicht Technik, sondern eine liebevolle Haltung zu sich selbst: präsent bleiben, auch wenn Schmerz aufsteigt, und sich nicht länger davor verstecken.
(Gespräche mit Eckhart Tolle, 2011; Compassionate Inquiry Methode)


10. Die Verantwortung der Gesellschaft

Maté betont: Sucht ist nicht nur ein individuelles Schicksal, sondern spiegelt auch die Gesellschaft wider. Eine Kultur, die Leistung über alles stellt, in der Kinder zu früh von Nähe und Geborgenheit abgeschnitten werden, schafft den Boden für Abhängigkeiten. Heilung bedeutet deshalb auch, unsere sozialen Strukturen zu hinterfragen – und Räume zu schaffen, in denen Menschen wieder Mensch sein dürfen.
(„The Myth of Normal“, Kap. 2–3)


Heilung ist möglich

Für Maté ist Heilung kein „Entzug“ im engeren Sinn, sondern ein Prozess der Rückkehr zu sich selbst. Es geht darum, den Schmerz zu sehen, ihn nicht länger zu betäuben – und Wege zu finden, mit ihm in Würde zu leben.
Das kann durch Therapie geschehen, durch Gemeinschaft, durch achtsame Praxis. Und es beginnt immer mit Mitgefühl – für andere, aber auch für uns selbst.


Fazit:
Sucht ist weiter verbreitet, als wir denken. Sie ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Hinweis darauf, dass in uns etwas ungestillt ist. Gábor Maté öffnet die Tür zu einem neuen Verständnis: Statt zu verurteilen, können wir beginnen zu verstehen. Statt uns zu schämen, können wir Mitgefühl entwickeln. Und Schritt für Schritt lernen, unser eigenes Leben wieder in Verbindung zu führen.

📚 Wer tiefer einsteigen möchte, dem empfehle ich Matés Bücher:

  • Im Reich der hungrigen Geister (über Sucht)
  • Wenn der Körper nein sagt (über Stress und Krankheit)
  • Die Weisheit der Unordnung (The Myth of Normal, über Trauma und Heilung in unserer Kultur).

Sie sind keine leichte Kost – aber sie können das Herz öffnen und den Blick auf das Thema Sucht für immer verändern.

By Gabor Gastonyi – Clare Day, CC BY-SA 3.0, Link